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Westlich von Göttingen, zwischen dem Solling und dem Reinhhardtswald, liegt der Forstbetrieb Lewenhagen mit einer Fläche von über 600 Hektar, der bereits seit Generationen von der Familie von Stockhausen bewirtschaftet wird – welche bereits seit 700 Jahren im Weserbergland ansässig ist. Durch die verheerende Trockenheit und die damit einhergehenden Stürme und Befalls-Plagen haben wir seit 2018 etwa ein Drittel (190 ha) unserer Forstfläche verloren, wodurch wir nicht nur empfindliche wirtschaftliche Verluste erlitten haben, sondern zusätzlich viele Pflanzen- und Tierarten ihren Lebensraum verloren haben. Hauptsächlich betroffen war die Fichte, aber auch andere Baumarten haben unter den Dürrejahren erheblich gelitten. Wo einst gesunder Wald existierte, prägen nun gespenstische Kahlfächen das Bild. Wir bemühen uns nach Kräften um die Wiederaufforstung der geschädigten Waldflächen, um die verloren gegangenen Ökosysteme wieder herzustellen. Zwar haben wir schon viel erreicht, jedoch liegen noch ca. 110 Hektar an Schwerstarbeit vor uns. Denn bevor wir überhaupt neue Bäume pflanzen können, müssen die Brachen zunächst aufwändig vorbereitet werden, um wieder optimale Wuchsvorraussetzungen zu schaffen. Danach stehen wichtige Jahre der Pflege und Nachbesserungen in den Kulturen an. Neben der zusätzlich zu leistenden Arbeit erfordert die verlustreiche Situation große wirtschaftliche Belastungen für neue Investitionen, während derer der einstige Gewinn – durch den Einschlag des wertvollen Holzes – für kommende Jahrzehnte bereits erloschen ist. Wie viele Deutsche Forstbetriebe stehen wir daher auch extrem Geschwächt den gigantischen Herausforderungen des Klimawandels extrem mit einem Verlust von bereits 30% gegenüber, wodurch es uns aus eigener Kraft nicht möglich ist, die dringend benötigten Waldflächen als Lebensraum, CO2-Speicher und Klimastabilisator zurück zu gewinnen und für die Zukunft zu erhalten. Im Zuge der Wiederbewaldung haben wir uns jedoch mehr als nur eine einfache Aufforstungen der zerstörten Waldflächen vorgenommen. Der Wald soll zukünftsfähig, artenreich und so weit wie möglich auch angepasst an weitere klimatische Veränderungen aufgebaut sein. Das bedeutet, das die Betriebsleitung nicht alleine auf eine Naturverjüngung warten kann, da hierdurch zum allergrößten Teil nur die Arten auftreten, die zuvor schon das Bestandesbild geprägt hatten: überwiegend Fichte, aber auch Pioniere wir Birke und Esche.

Jede Aufforstung sollte zügig geschehen, um eine Vergrasung und „Brombeerwildnis“ zu vermeiden: Ein solcher Bestand wäre über viele Jahre nicht für eine angepasste Waldentwicklung und deren Ökosystemdienstleistungen geeignet. Auf guten Böden sollte daher jede Fläche spätestens im dritten Jahr aufgeforstet worden sein. Unter normalen Bedingungen ist es auf organisatorischen Gründen kaum möglich, mehr als 10 ha pro Jahr aufzuforsten. Die Kosten belaufen sich auf grob 8.000 € je ha: Somit ist auch aus finanzieller Sicht eine schnelle Wiederbewaldung für den Betrieb eine deutliche Überforderung.

Um eine Umsetzung zu ermöglichen, in der den oben genannten Herausforderungen und dem Ziel der höheren Klimaschutzleistung begegnet werden kann, wurde ein Konzept erarbeitet. Danach erzielt die Wiederbewaldung eine höhere Klimaschutzleistung als die „normale“ Alternative die Nutzung der Naturverjüngung und kleinflächige Aufforstungen über viele Jahre.
Im Weiteren wird nun unterschieden zwischen dem Vergleichsszenario („Baseline“), in dem die Wiederbewaldung vorrangig durch Naturverjüngung vorhandener Arten (überwiegend Fichte und Pioniere) stattfindet, und dem Projektszenario: Hier wird die Wiederbewaldung durch Einbringen angepasster und zukunftsfähiger Baumarten in Mischung zügig umgesetzt (unter Berücksichtigung von einer gewünschten Naturverjüngung auf etwa 10% der Fläche). Beide Szenarien wurden mit dem Waldwachstum-Tool des Waldklimastandards hinsichtlich der jeweiligen Klimaschutzleistung berechnet.